97 Stunden: Einmal Atacama und zurück. Ein Reisetagebuch. Teil 1

11.341 Kilometer liegen hinter mir – Luftlinie, einfach. Von den 97 Stunden, die mein Atacama-Trip insgesamt gedauert hat, habe ich 56 Stunden in Flughäfen und Flugzeugen verbracht. Hinzu kamen fünf Stunden An- und Abfahrt zuhause und Shuttleservice am Reiseort. Irgendwo unterwegs ist der Koffer mit meinen Klamotten verschwunden, das hat mir ein paar graue Haare eingebracht. Das alles für ein bisschen Wüste, eine Kamera und ein Auto. In 36 Stunden vor Ort. Ob sich das gelohnt hat? Ja.

Aber ich fange erst mal von vorne an.

Nie wieder, hatte ich gesagt

Vor 1,5 Jahren bin ich bereits auf so einen Mammut-Trip gegangen, um wenige Stunden in einmaliger Kulisse ein neues Auto kennenlernen und in Szene setzen zu können. Damals war das der Audi Q5 und ich landete in Baja California, Mexiko. Damals wollte ich mir diese Gelegenheit zu so einer Reise nicht entgehen lassen und sagte AUDIs Einladung spontan zu, auch wenn mich der Gedanke an die lange Anreise ein wenig ängstigte. Zurecht, denn durch einen Pilotenstreik landete ich auf anderen Flügen als der Rest der eingeladenen Blogger und Fotografen und reiste allein. Erstmals über den großen Teich, mit rudimentären Spanisch-Kenntnissen. Und tatsächlich schaffte ich es, mich auf dem Flughafen Mexico City auf dem Weg zu meinem Anschlussflug so zu verlaufen, dass die Security mich samt kleinteiligem Handgepäck zurück in die Transit-Zone schaffen musste – über ein Rollband, das in entgegengesetzter Richtung lief. Ja, es war sehr aufregend, und ja, es war sehr nervenaufreibend und anstrengend.
Und auch wenn im Nachhinein die Freude über den nach meiner Ankunft folgenden Road Trip die Erfahrung der Strapazen überwog, so war ich nach der Rückreise doch sicher: So einen Extrem-Kurztrip mache ich nicht nochmal.

Wieder In die Wüste geschickt

Doch dann kam im Mai die Einladung in die Atacama-Wüste, und ich konnte einfach nicht „nein“ sagen. Zu lange schon steht dieses Reiseziel auf meiner fotografischen Bucket-List, zu eindrücklich erinnere ich mich an Motive aus der Atacama-Wüste von Fotografen der VIEW Fotocommunity, insbesondere dieses von Frank Hausdörfer und diese Serie von Frank Daske, an die Weite, an die surreale Landschaft – dieser surrealen Kulisse konnte ich nicht widerstehen. Natürlich sagte ich zu.

Da ich also wusste, welche Weite und welche Motive mich erwarten würden, besorgte ich mir eine Kamera, die dem gerecht werden konnte: Über die Canon EOS 5Ds R und das EF 11-24mm f/4.0 habe ich Euch bereits etwas erzählt, und es wird auch noch eine Nachdrehe dazu kommen.

Ich gestehe: Auf dem Hinweg habe ich sehr geflucht, denn die große Kamera beschwerte mein Handgepäck nicht nur um über zwei Kilogramm, sie nahm mir dort auch den Platz für meine Kurztrip-Klamotten, und erstmals packte ich mit ihnen einen zweiten Koffer, um ihn vor der Reise aufzugeben. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Atemlos ans Abfluggate

Denn mein vom AUDI-Reiseteam bequem geplanter Zeitslot in Frankfurt schrumpfte auf ein Minimum zusammen, als meine Hamburger Maschine schon zu Reisebeginn mit einer Stunde Verspätung startete. Mit der Oly und meinen Reisepapieren in der etwas sperrigen Hip Bag und dem schweren Canon-Equipment in der Fototasche hastete ich in Frankfurt aus meinem Flieger am so ziemlich letzten Gate der Ebene A, während das Boarding nach São Paulo am so ziemlich entgegengesetzten Gate in Ebene B bereits begann. Dass ich tatsächlich – atemlos und schweißgebadet – noch meine Maschine erreichte, grenzte an ein Wunder. Das Boarding war natürlich schon abgeschlossen, und dass kurz nach mir noch ein japsender Passagier dort eintraf, tröstete mich nur wenig. Das mürrische Boarding-Personal der LATAM Air hob dann auch nur die Schultern, als ich zwischen hektischen Atemzügen erklärte, warum ich so spät war, und dass ich auch nicht schon online hatte einchecken können, während ich schnaufend und mit schwitzenden Händen umständlich meinen Reisepass aus der Hip Bag nestelte.

Und es sollte nicht das letzte Mal auf diesem Trip sein, dass mir die Luft weg blieb.

Galerie: Alle Hinflüge im Überblick

Von Frankfurt nach São Paulo, Brasilien

Warum eigentlich Brasilien, es geht doch nach Chile? Genau. Erreicht man natürlich auch im Direktflug von Amsterdam aus (mit einer Zwischenlandung), aber leider hatte KLM meinen Flug einen Tag vorher annulliert, und so kurzfristig gab es keine bessere alternative Flugverbindung mehr, als diese. Und so führte mein zweiter Flug des Tages mich nach Brasilien – und in den nächsten Tag. Dank Flightradar24 kann ich heute alle Flüge und Flugzeiten nachvollziehen, denn ich hatte schon in den ersten Stunden jedes Gefühl für Zeit verloren, da es in São Paulo fünf und in Santiago de Chile sechs Stunden früher war, als zuhause.

Bristol Kanal

Sonnenuntergang über dem Bristol Kanal im Süden von Großbritannien. Flughöhe etwa 9.150 Meter (30.000 ft).

Und als mein Atem und mein Herzschlag gerade wieder Normallevel erreicht hatten, ich mich auf meinem Platz eingerichtet hatte, auf dem ich für die nächsten knapp 12 Stunden Zeit verbringen würde, und ich mir gerade die Noise-Cancelling-Kopfhörer aufgesetzt hatte, die meine Freundin Moni mir dankenswerterweise geliehen hatte, versöhnte mich sch0n der Blick auf den noch lange glühenden Sonnenuntergang über den Wolken.

São Paulo: Home is were my Starbucks is!

Nach einem guten Board-Essen, einem wenig erquicklichen, aber immerhin mehrstündigen Schlaf (es ist halt alles nur so bequem, wie es in einer dröhnenden Alu-Röhre in 10 Kilometern Höhe mit 300 anderen Fluggästen sein kann, und ja, ich weiß, dass ich da aus der Businessklasse heraus auf ganz ganz hohem Niveau jammere), 3/4 Hörbuch Quality Land, Helle Edition und dem Film Kingsman (Golden Circle) erreichte ich also morgens um halb fünf Ortszeit nach fast 12 Stunden in der Luft den Flughafen von São Paulo.

Glaubt mir, es hat was, wenn man so 10.169,82 km von zu Hause weg morgens um fünf einen Starbucks mit WiFi entdeckt, in dem sich knapp drei Stunden bis zum Anschlussflug recht heimisch überbrücken lassen.

Von São Paulo, Brasilien, nach Santiago de Chile

Im Flieger nach Santiago de Chile saß ich dann auch endlich auf einem der Fensterplätze, die ich online reserviert hatte. Kann auch ein Zufall gewesen sein, denn beim vorherigen Flug hatten über die Website und die LATAM-App weder Reservierung noch Check-In geklappt. Wir bekamen die Einreiseformulare von der Kabinen-Crew ausgehändigt, und ich versuchte den Asiaten neben mir zu ignorieren, der mich über seinem Mundschutz missbilligend anguckte, wenn ich meine Hand auf die  Mittelarmlehne legte. In unbeobachtet geglaubten Momenten wischte er dann mit einem Erfrischungstuch darüber. Das versprach doch eine entspannte Reise.

Tatsächlich klebte ich auch viel lieber erst mit dem Smartphone und dann mit der Oly am Fenster und fotografierte raus. Die Sicht war erstaunlich klar, und hier habe ich ein paar Blicke von ganz oben für Euch.

Dieser Moment, wenn Du realisierst, dass Dein Koffer nicht mehr auftaucht

Suchhund am Kofferband

Die Hunde der chilenischen Security machten einen lässigen Job und es hat Spaß gemacht, ihnen und ihren Hundeführern zuzusehen.

Kaum stand ich dann auf chilenischem Boden der Tatsachen realisierte ich: Mein aufgegebener Koffer mit meinen Wechselklamotten und meinem geliebten Indiana-Jones-Sonnenhut hatte es nicht bis nach Santiago de Chile geschafft. Das freundliche LATAM-Personal am Gepäckband signalisierte rege Bereitschaft, den Koffer aufzufinden, telefonierte und funkte mit Kollegen, aber ich war mir zu diesem Zeitpunkt schon sicher: Der Koffer hatte es in Frankfurt einfach nicht vom Lufthansa-Airbus in die LATAM-Boeing geschafft, dafür war die Zeit zu knapp gewesen.

Eine Zeit lang stand ich noch ein wenig unschlüssig am Band herum und beobachtete die hübschen Drogen- und Spengstoffsuchhunde bei ihrer Arbeit, dann reiste ich nur mit Handgepäck in Chile ein, mit dem Hinweis der LATAM-Mitarbeiter den Verlust im Zielflughafen Calama zu melden.

Als ich drei Stunden später auf meinem letzten Flug in die Wüste saß, konnten auch die Aussichten auf diesen Teil der Andenkordilleren meine Stimmung nicht mehr wirklich aufhellen. Vor mir lagen zwei Tage in Klamotten, die ich schon einen ganzen Tag und vier Flüge lang an hatte, und das fand ich wenig erbaulich. Deshalb verzichte ich an dieser Stelle erstmal auf die – zweifelsohne beeindruckenden – Bergblicke und komme gleich an den Zielflughafen: Atacama ist, wenn um Dich herum Weite ist.

Touchdown Atacama-Wüste

Touchdown Atacama-Wüste. Im Hintergrund seht Ihr vermutlich den Vulkan Paniri.

Müde, genervt und unversöhnlich… fast.

Ihr merkt es schon: An diesem Punkt der Reise hatte ich die Faxen dicke vom Fliegen, von Flugzeugen und von Flughäfen. Prompt lief ich auch nach einem letzten, wenig hoffnungsvollen Blick auf das Kofferband in Calama aus dem Flughafen heraus, ohne den Verlust meines Koffers zu reklamieren. Vor mir lag noch über eine Stunde Shuttle-Fahrt durch die – wie ich dachte – öde Wüstenlandschaft, und ich wollte nur noch ins Hotel, duschen, ins Bett. Dabei war es erst 16:30 Uhr Ortszeit, und natürlich stand noch ein Abendprogramm mit Essen, Expertengesprächen und Pressekonferenz auf dem Programm.

Als ich im Ankunftsbereich das AUDI-Schild in den Händen einer Frau sah, war ich erleichtert und begrüßte sie, durchaus quengelig und launisch, aber dennoch dankbar als sie mich auf deutsch ansprach und mir sofort mit dem Handgepäck half und mich mit guten Worten begrüßte: Erika rettete mir die Ankunft.

Sie brachte mich zu zwei weiteren wartenden Blogger-Kollegen, füllte Koffer-Verlustmeldungsformulare aus und versorgte uns mit Schokolade. AUDI-Reisen bedeutet betreutes und umsorgtes Reisen. Während wir auf Erika warteten, tauschten wir Reise-Geschichten aus, und natürlich war es den anderen nicht viel anders ergangen, als mir: Jeder hatte seine Geschichte vom hektischen Umsteigen, komischen Sitznachbarn und umgebuchten Flügen zu erzählen, einige Kollegen hatten gar keinen Flug mehr bekommen, und langsam kam ich wieder runter und war einfach froh hier zu sein.

Als wir dann endlich mit einem einheimischen Fahrer in einem Shuttle-Bus nach San Pedro de Atacama starteten, stand die Sonne im südamerikanischen Winter schon tief und zauberte lange Schatten und schillernde Farben in die vermeintliche Öde.

Hola Atacama, es ist jetzt doch schön, hier zu sein.

Immer geradeaus, Richtung San Pedro de Atacama

Immer geradeaus, Richtung San Pedro de Atacama

 

Sonnenuntergang

Blick zurück durchs Heck-Fenster Richtung Calama.

 

Magic.

Magic.

Check-in im Hotel

Im Tierra Atacama Hotel & Spa angekommen verschwinde ich nach dem Check-in erst mal in meinem Zimmer. Ich schmeiße alles von mir und springe unter die Dusche. Überrascht stelle ich fest, dass ich zwei Duschen habe. Ich entscheide mich für die Innendusche, denn im chilenischen Winter ist es mir jetzt, am frühen Abend, doch ein wenig zu kalt für die Außendusche 😉

Erika hat mir ein frisches Atacama-Adventure-T-Shirt und sogar Unterwäsche organisiert. Erleichtert nicht komplett in die durchgerockten Reiseklamotten schlüpfen zu müssen, begebe ich mich halbwegs entspannt zum Rest der Truppe. Der Abend, der in Deutschland schon Nacht ist, ist gefüllt mit technischen und gestalterischen Informationen über den Audi Q8, mit dem wir am nächsten Morgen in die Wüste starten werden. Aber davon erzähle ich Euch in meinem neuen Blog 😉

Teil 2: Ein atemberaubender Roadtrip mit einem Luxus-SUV

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: