Sandra Schink

Forgotten Films (2): Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. (Reloaded)

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Dass erst mal was schief geht. Aber ich bin ja Fotolaborantin und dachte: „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht.“

Es ging auch erst mal alles glatt. Die Chemie auf Temperatur gebracht, via Massive Dev Chart und dem Formelzettel vom Fotodruiden Moersch die passenden Entwicklungszeiten und Mischungen heraus gesucht. Was eh nur pi-mal-Daumen-Werte sein konnten, schließlich haben die Filme gut zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Da kann alles passieren.

Zwei Filme schön locker auf die Plastikspulen gedreht. Ha, das fluppte ohne einmal hakeln! Die Spulen in die Jobo-Dose gepackt, die Dose mit der frisch angesetzten Chemie gefüllt. Und ab in den Prozessor. Stoppuhr an, 11 Minuten auf 20°. Rotation.

Dann zwischengewässert. Dann fixiert. Fingertrommeln. Dann den Deckel geöffnet. Natürlich hakte er, bloß nicht ungeduldig werden. Und während das Wasser über die Spulen mit den Filme lief, habe ich schon mal vorsichtig geluschert: Ist was zu erkennen? Ist was drauf?

Zu sehen war: Nichts.

Vorsichtig löste ich das Ende des Films aus der Spule. Zu sehen war genau gar nichts. Der Film war vollkommen blank. Nicht mal Bildnummern waren am Rand zu sehen. Hektisch zog ich auch den anderen Film aus der Spule: Auch dieser blank. Er war einfach nur transparent. Nicht mal Spuren einer Belichtung.

Konnte das wirklich sein? Dass die Filmschicht einfach überhaupt nicht mehr reagiert, wenn der Film solange abgelaufen ist? Die Enttäuschung war groß. In meiner Verzweiflung wandte ich mich an Analog-Cracks auf Facebook und bekam wertvolle Tipps. Zum Beispiel doch einfach erst mal ein belichtetes Stückchen Film in den Entwickler zu werfen und zu gucken, was passiert.

Das hab ich dann gemacht. Hätte ich ja auch vorher mal machen können. Als das Stückchen im EFD keine Veränderung zeigte, warf ich noch ein zweites Stück dieses Films in den Adox Adonal, den ich hier auch noch stehen hatte. Und siehe da: Er verdunkelte sich. Was war also passiert?

Ich hatte wohl in der Aufregung beim Chemie-Ansetzen eine Komponente des Eco Film Developers schlicht vergessen. Zwei Filme, die 20 Jahre in meiner Umzugskiste überlebt hatten, waren damit verloren. WIE sehr hat mich das geärgert…

20 Jahre nach der Belichtung entwickeltUm sicher zu gehen, habe ich die nächsten beiden Filme dann erst mal in Adonal entwickelt, und das hat super geklappt. Allerdings waren auch diese beiden Filme – bis auf die Bildnummern, die Typenbezeichnung und die Lasche – leer: Vermutlich Blindgänger, die ich nie belichtet hatte, aber gedacht habe, dass ich sie belichtet habe und deshalb die Laschen abgerissen habe.

Magic of Forgotten Films: Juhu! Es ist was drauf!

Aber da sind ja noch neun weitere Filme, und dank der beiden Blindgänger konnte ich nun die Entwicklungszeiten etwas anpassen. Die Filme hatten einen Grauschleier, was wohl tatsächlich dem Alter geschuldet ist. Et voilá, große Erleichterung und Freude: Die Filme 5 und 6 zeigen Spuren von Bildern. Ich erkenne eine Freundin und einen Hund. Und sobald ich Abzüge habe, erzähle ich Euch, was es mit den beiden auf sich hat…

Um was es hier geht? Hier geht es zum Teil 1.

Danke für Eure Hilfe!

Vernon Trent für die persönliche Beratung zwecks Chemie, Papier und Handling
Jeanette Dobrindt für den Hinweis auf die Massive Dev Chart App
Thomas Richter für den Jobo-Prozessor, Spulen, Trommeln und Chemie
Andreas Gugau, Sven Malke und Boris Zorn für die kleinen Tipps nach meiner ersten Verzweiflung 😉

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